Klartext

Beschäftigtenbefragungen machen Pflege fassbar

In der Rubrik „Klartext“ stellen wir eine These zum jeweiligen Schwerpunktthema auf und bitten Expertinnen und Experten, dazu knapp Stellung zu nehmen. Lesen Sie in dieser Ausgabe Beiträge von Oliver Zwirner, Geschäftsführer des Softwareunternehmens Inworks GmbH, und von Myriam Maierhofer, Organisations- und Personalentwicklung beim Landschaftsverband Rheinland. Bei den Kommentaren handelt es sich um persönliche Ansichten des Autors und der Autorin

These: Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege wird auch nach der Bewältigung der Corona-Krise eine der zentralen Herausforderungen sein und damit ein strategisches Thema für Unternehmen. Angesichts der demografischen Entwicklung ist es umso dringlicher, die Beschäftigungsfähigkeit von pflegenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu erhalten. Sie wenden sich nur selten hilfesuchend an ihre Führungskräfte. Deshalb sind Beschäftigtenbefragungen mit dem Schwerpunkt Pflege das wichtigste Instrument, um zu erfahren, welche Unterstützung tatsächlich gewünscht ist, und um entsprechende Maßnahmen einzuführen. 

 

Oliver Zwirner

Pflegende Beschäftigte – oft eine unbekannte Größe im Unternehmen

Ich gehe davon aus, dass die Anzahl der pflegenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unabhängig von der Corona-Krise mit der demografischen Entwicklung zunehmen wird. In den meisten Unternehmen und Einrichtungen sind diese Zahlen jedoch kaum bekannt. Oft fehlt die aktive Ansprache des Vorgesetzten oder eine systematische Erfassung der Zahlen.

Gleichzeitig ist die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege für die betroffenen Beschäftigten ein wichtiger Bestandteil der Arbeitgeberattraktivität. Aus Arbeitgebersicht ist eine geringe Abwanderung von Fachkräften mit handfesten wirtschaftlichen Vorteilen verbunden, denn der Verlust von Know-how und die Rekrutierung neuer Mitarbeiter sind kostenintensiv.

Regelmäßige Beschäftigtenbefragungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie können helfen, die Situation sowohl für die pflegenden Beschäftigten als auch für die Unternehmen zu verbessern. Voraussetzung hierfür ist, dass die Ergebnisse zuverlässig in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess einfließen und die Wirksamkeit der abgeleiteten Maßnahmen zyklisch überprüft wird. Geschieht dies nicht, dann wird das Instrument der Beschäftigtenbefragungen seine Akzeptanz schnell verlieren und es ist nichts gewonnen.

 

Myriam Maierhofer

„Wenn mein Arbeitgeber diese Befragung startet, dann wird ihn das Thema wohl interessieren!“

So geht es vielen Mitarbeitenden mit Befragungen grundsätzlich, besonders aber bei dem herausfordernden Thema Arbeit und Pflege. Und dieses Interesse ist schon die halbe Miete. Es zeigt, dass dieses Thema im Bewusstsein des Arbeitgebers und seinen Führungskräften angekommen ist und Handlungsbedarf erkannt wurde – wie gut!

In einer Befragung können die Mitarbeitenden dem Spagat zwischen ihrer Arbeit und der Pflege von Angehörigen unbefangen Ausdruck verleihen. Die Hürde, sich zu äußern, ist gering. Dies entlastet ungemein. Im Gegensatz dazu ist das Angebot, ein Einzelgespräch mit der Führungskraft zu führen, wenn man noch unsicher und evtl. überfordert ist, eine weitere Belastung. Durch eine Befragung erhält der Arbeitgeber zunächst Hinweise darauf, wie virulent das Thema in seinem Betrieb ist. Die Ergebnisse sind eine gute Basis zur Entwicklung von Unterstützungsmaßnahmen und für konkrete Gespräche. Sie können auch eine gute Grundlage für die Sensibilisierung der Führungskräfte für dieses Thema sein. Wenn ein Unternehmen eine Beschäftigtenbefragung durchführt und anhand der Ergebnisse verbindlich und nachhaltig weiterarbeitet, ist dies ein guter und wichtiger Schritt in Richtung Vereinbarkeit von Arbeit und Pflege.

Mein Fazit: JA – starten Sie eine Befragung zum Thema Pflege und nutzen Sie die Ergebnisse für eine passende Unterstützung!


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